Offener Brief an die Niedersächsische Landesregierung

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren.

Das Thema psychische Erkrankungen gewinnt vor allem medial mehr und mehr an Aufmerksamkeit. Immer mehr Menschen des öffentlichen Lebens sprechen offen über Krisen, Depressionen oder Burn Out. Die mit solchen Krisen verbundenen Suizide werden jedoch noch immer tabuisiert. Die Deutsche Presseagentur hat einen Leitfaden herausgegeben, wie über Suizide berichtet werden kann, wodurch nachweislich die Suizidrate sinkt, doch noch immer wird dieses Thema verschwiegen.

Im Jahr 2024 starben 10.372 Menschen durch Suizid. Im Vergleich kamen 2.660 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, 2.137 verstarben nach Drogenmissbrauch. Seit dem Jahr 2023 ist Suizid die häufigste Todesursache bei jungen Menschen unter 25 Jahren, noch vor Unfällen und Krebs.

Als Selbsthilfeorganisation ist die Arbeit mit Menschen, die an Depressionen und ähnlichen Erkrankungen leiden, auch Suizidprävention. In einem Netzwerk wollen wir andere Vereine und Organisationen zusammenbringen, um das Thema Suizid und Suizidprävention mehr an die Öffentlichkeit zu bringen. Hier sehe ich auch unsere Landesregierung in der Verantwortung, Suiziden vorzubeugen, den Menschen eine Alternative aufzuzeigen, Behandlungsangebote zu schaffen und niedrigschwellig anzubieten. Der öffentliche Umgang mit dem Thema sollte gestärkt werden und am Beispiel der Stadt Berlin, die über einen eigenen Beirat Suizidprävention verfügt, zum Beispiel mit Plakatkampagnen aufzurufen, sich Hilfe zu suchen, über Probleme zu sprechen und Hinweise zu geben, dass es immer eine Alternative zum Suizid gibt.

Ich bitte Sie und die gesamte Landesregierung, einen aufgeschlossenen Umgang mit dem Thema Suizidalität anzustreben, mehr Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung hinsichtlich Hilfsangeboten zu betreiben und das Hilfe-System auszubauen und niedrigschwelliger zu gestalten.

Als Selbsthilfeorganisation können wir nur einen ganz kleinen Teil leisten – aber wir leisten ihn jeden Tag.

Hochachtungsvoll

Karsten Hölscher
– Vorsitzender –